Gleichgewicht durch Entrepreneurship - Die Kritik von Kirzner am neoklassischen Modell
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Israel Kirzner kritisiert die neoklassische Annahme des perfekten Wettbewerbs als unrealistisch und unvollständig. Unvollständig, weil Kreativität und Innovativität im Allgemeinen und dem Entrepreneur im Besonderen keine Rolle eingeräumt wird. Kirzner zeigt, wie Entrepreneurship in einem dynamischen Wettbewerb die Tendenz des Marktes in Richtung Gleichgewicht erklären kann und worauf es dabei beim Entrepreneur ankommt.

Basierend auf den Erkenntnissen von Friedrich Hayek und Ludwig von Mises kritisiert Israel Kirzner die Annahmen des neoklassichen mikro-ökonomischen Modells zur Natur des Wettbewerbs.

Warum der Entrepreneur im klassischen Modell keine Rolle spielt

Perfekter Wettbewerb im klassischen Sinn bedeutet, dass sich Märkte grundsätzlich immer im Gleichgewicht befinden, das durch genau eine Kombination von Preis und Menge bestimmt wird. Das setzt die Annahme voraus, dass alle Marktteilnehmer gleichzeitig und ohne zeitliche Verzögerung rationale und vollständig korrekte Entscheidungen treffen. Die Gleichgewichtskombination von Preis und Menge wird also von den Marktteilnehmern als gegeben und damit unveränderbar hingenommen. Kirzner kritisiert diese Annahme, weil sowohl der Prozess zur Erreichung des Gleichgewichts als auch jeglicher Spielraum der Akteure am Markt ignoriert oder sogar verneint werden. In einer solchen Theorie wird dem Entrepreneur, der seine Berechtigung gerade aus der Nutzung und Schaffung von Ideen - also "Spielräumen" - ableitet, keinerlei Platz eingeräumt. Entscheidungen sind vollständig rational und mechanistisch, lassen also keinerlei Spielraum für Kreativität und individuellen Gestaltungswillen.

Wettbewerb als Entedeckungsverfahren

In der Theorie von Kirzner dagegen, die sich mehr mit den Prozessen am Markt als mit seinem Ergebnis beschäftigt, kommt dem Entrepreneur eine wesentliche Rolle zu. Das Erkennen und Ausnutzungen von Gelegenheiten, die sich gerade daraus ergeben, dass der Markt aufgrund von (früheren) Irrtümern und Fehlentscheidungen nicht zu allen Zeiten im Gleichgewicht befindet, bezeichnet Kirzner als die wesentliche Aufgabe des Entrepreneurs. Über die Variation von Preis, Menge, Qualität und Innovationen werden frühere Fehlentscheidungen offenbart, korrigiert und der Markt in Richtung Gleichgewicht gedrängt.

Entscheidend bei diesem Prozess ist das, was Kirzner als "Rolle der Entdeckung" bezeichnet. Bei den wechselseitigen Beziehungen und der wiederholten Interaktion zwischen den Akteuren am Markt erweisen sich Entscheidungen im Nachhinein als falsch und andere als richtig oder profitabel. Die Unsicherheit über positive oder negative Konsequenzen solcher Entscheidungen ist die Chance des Entrepreneurs, der durch Aufmerksamkeit, Gespür und Kreativität profitablen Entscheidungen, Gelegenheiten und Ideen zum Durchbruch verhilft, während weniger lukrative "aussortiert" werden.

Der Wettbewerb arbeitet dabei als "Entdeckungsmechanismus" für die profitabelste Nutzung von Gelegenheiten. Wettbewerb wird also von Kirzner als etwas höchst Dynamisches verstanden, das anders als in der statischen Perspektive der neoklassischen Theorie, keinen ständigen Gleichgewichtszustand darstellt, sondern vielmehr den Prozess zur Erreichung des Gleichgewichts beschreibt. Der Entrepreneur ist darin die treibende gleichgewichtige Kraft.

Das vollständige Papier "Entrepreneurial Discovery and the Competitive Market Process: An Austrian Approach" ist über die Datenbank JSTOR online verfügbar.

Mehr theoretische Ergebnisse zu den "nützlichen" Charaktereigenschaften eines Entrepreneurs finden Sie unter der Kategorie "Wer ist ein Entrepreneur?".


03.12.08


 
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